Filminhalt

Holocaust? Nicht schon wieder, das war in der Schule schon oft genug Thema! Das ist in etwa die erste Reaktion von Annika, Ikra und David, Mitglieder der Jugendtheatergruppe der Berliner Schaubühne, als klar wird, dass als nächstes die Kinderoper "Brundibár" gespielt werden soll. Und tatsächlich sind die Hintergründe um "Brundibár", uraufgeführt im Ghetto Theresienstadt, missbraucht von den Nazis, um der Welt gegenüber die Zustände im KZ zu verschleiern, keine leichte Kost. Als die Jugendlichen nach Theresienstadt reisen, geraten sie dort aber doch langsam in den Sog der Geschichte, die sie bisher so herzlich wenig interessierte. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Mitreisenden Greta Klingsberg, einer charismatischen alten Dame aus Israel, die eine der wenigen überlebenden der Originalbesetzung von "Brundibár" ist und den Jugendlichen die Scheu vor den Schrecken der Vergangenheit nimmt. Schnell wird klar, dass sie mehr verbindet, als ihnen bewusst war.

Douglas Wolfsperger über den Film

Seit bald siebzig Jahren ist der Nationalsozialismus Geschichte. Nicht wenige Leute sagen, dass jetzt doch mal Schluss sein müsse mit all dem Erinnern und Aufarbeiten.

Wer diese Forderung nach einem Schlussstrich nicht teilt, ich zum Beispiel, dem stellt sich die Frage, welche Formen die Erinnerung an den und die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus haben kann. Wie lässt sich ritualisierte Routine vermeiden? Wie lässt sich das Thema mit der Gegenwart verbinden? Wie schafft man es, authentische (und nicht durch Wiederholung abgenutzte) Gefühle entstehen zu lassen?

In meinen Augen liegt ein Schlüssel in der Erfahrung der jungen Protagonisten, welche in meinem Film "Wiedersehen mit Brundibar" gezeigt werden. Während ihrer Proben an der Kinderoper in der Berliner Schaubühne und der Begegnung mit der charismatischen Greta Klingsberg entwickeln sie starke Reaktionen, entstehen in ihnen neue Einsichten und heftige Emotionen.

So holen sie den schlimmsten Abschnitt der deutschen Geschichte mitten hinein in unsere Gegenwart.

Fernab von Papier- und Schulwissen, dafür mit großer Neugier setzen sie sich mit der Thematik auseinander. Was ihnen nicht in die Wiege gelegt ist. Denn sie haben, so jung sie sind, bereits eine "Vergangenheit", mussten selbst Erfahrungen mit Gewalt, Intoleranz und Missbrauch machen. Aber das junge Multi-Kulti-Ensemble nimmt den Zuschauer durch seine packenden, individuellen Geschichten und Erlebnisse mit auf eine Reise der Vergegenwärtigung von Vergangenheit.

Interview von Torsten Hampel mit dem Regisseur Douglas Wolfsperger [PDF ansehen]

Artikel "Jetzt erst recht" von Torsten Hampel [PDF ansehen]